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Intim // Lisa Papineau und American Music Club

Manchmal gibt es Musik, da krabbelt die Gänsehaut ganz geschwind über den ganzen Körper. Kurz um: Was für eine Nacht!

Lisa Papineau.

Natürlich habe ich mit einer Vorband gerechnet. Entweder irgendein regionaler Schrott oder ein Mitbringsel aus Amerika. Zweiteres ist es geworden. Lisa Papineau. Ein Trio, mit der wunderbaren, und der Band den Namen gebenden, Lisa. Diese kleine, zierliche Frau hat eine so unglaubliche Stimmgewalt. Es war beeindruckend. Ihre Stimme ist irgendwie vergleichbar mit dem Sound der Cranberris, kräftig, leicht rauchig aber oft auf einfach nur sanft. Sie spricht mit so wunderbarer Stimme, haucht manchmal Töne und manchmal schreit sie auch. Ein junges Songwritertalent aus der Schmiede von Mark Eitzel. Aber zu dem kommen wir ja noch später.

Am Wunderbarsten fand ich den Song „Out To you“, welches auf der ersten Platte „Night Moves“ als Einstieg bereit hält. Ihr Stimme, umhüllt von leicht rockigen Tönen, manchmal auch musikalischen Spieleierein. Diese kleine Frau hat mich beeindruckt und ich habe diese eine Stunde, an dem sie den wunderbaren Abend so schön begonnen hat, genossen. Habe sie angesehen und ihrer Stimme gelauscht und die Band lieben gelernt. Wunderschön, dass solche Bands durch die folgende Band bei vielen Menschen bekannt werden.

American Music Club.

Und nun zum Hauptact des gesamten Abends. Mit dem Opener „Only Love Can Set You Free“ haben sie mein Herz schon erobert. Der größte lebende Lyriker (The Guardian), Mark Eitzel, ist großartig. Sein Auftreten, vom Aussehen eine Mischung aus Yusuf Islam (Vollbart) und Pete Doherty (Hut). Und seine Stimme? Anders, als man durch sein Auftreten erwarten konnte. Ich hatte ihn mir auch viel jünger vorgestellt. Im neunundvierzigsten Lebensjahr befindend, hat er doch eine sehr jugendliche und kräftige Stimme.

We’re here for six hours. And well, I wrote a song … today. It’s called: Hello Ebensee [Ibensea].

Natürlich ist sowas immer eine Stimmungsladung. Wenn man sich dann später das Live-Album kaufte, konnte man sehen, dass auch in Amsterdam ein „neuer“ Song gespielt wurde. Hallo Amsterdam. Fand ich lustig. Sie lieferten eine wunderbare Bühnenshow ab und trotz all der Gitarren und dem Bass und allem stand trotzdem immer die Stimme von Eitzel im Vordergrund. Einen Song, über 9-11 (aber keineswegs politisch gemeint; das hat er betont), bzw. über das New York danach, ist sehr akustisch, und durch seine kräftige Stimme zauberte er mir eine Gänsehaut all over the body. Wunderbar, wenn Künstler so etwas schaffen.

Und sonst.

Ich war ungewöhnlich früh dran. Um 20:30 Uhr startete das Konzert mit Lisa Papineau. Und der werte Herr Ikarus kaufte sich schon um kurz vor 19:30 die Karte und war ca. 15 Minuten lang der einzige in diesem Vorsaal des Kinos. Tja, und auch das. Kinos kann man sich ja vorstellen. Aber dieser Kinosaal bot ungefähr 80 Sitzplätze. Rundherum standen vielleicht noch 40. Und so kommt man grob gerechnet auf 120 Leute. Ein sehr intimes Konzert. Wirklich extrem intim. Ein unglaubliches Erlebnis. Und ich in der dritten Reihe. Ich genoss jeden einzelnen Song und alles war so wunderbar unkompliziert. Und zum Preis? Der Eintritt kostete mich mit Zivi-Ausweiß nur 13 €uro (statt 15). Also war der Eintritt geringer als ich erwartet hatte. Nach dem Konzert habe ich mir schließlich zwei Alben von Papineau und drei vom American Music Club (ein Live-Album, ein Album vom neuen Drummer und ein Solo-Album von Eitzel) und ein Shirt von AMC gekauft. Und während ich mit Papineau und anschließend mit dem neuen Bassisten Sean und Drummer Steve im Gespräch war (!), kam ich auf die Idee, mein neue erworbenes T-Shirt signieren zu lassen. Sean und Steve taten das mit voller Freude. Und als ich fragte, wo denn Mark und Vudi wären, schickten sie mich in den Kinosaal. Da standen sie nun. Und, schüchtern wie ich bin, traute mich anfangs nicht zur Bühne. Stand hinten und sah beim Abbau zu. Ließ diesen Abend wirken. Als schließlich ein anderer auch ein Autogramm wollte, folgte ich ihm. Fragte ihn.

Can you sign my T-shirt, please?
– Yeah. Sure.
Your show was amazing.

– Yeah. Sure.

Und nun befinde ich mich im Club der Menschen, die Mark Eitzel hassen. Das ist aber jetzt ein Insider für die Konzertleute. Ich liebe ihn und seine Musik und seine Vorband und seine eigene Band. Es war einfach nur ein wunderbarer und großartiger und einzigartiger und super-duperiger Freitagabend. Das schönste Konzert, welches ich bis jetzt jemals gesehen habe. Vielen Dank, dem Kino Ebensee und all den Veranstaltern.