Archiv für Februar 2008

Amy Winehouse

Nachdem ihr kometenhafter Aufstieg und ihr trauriger Absturz mit fünf Grammy gekrönt wurde, möchte ich nun erstmals über meine Liebe zu ihrer Musik schreiben.

Aufmerksam wurde ich auf sie durch einen Blogeintrag über das Video von You Know I’m No Good. Schnell hatte ich mich verliebt in ihre Stimme und ihr Auftreten, ihre scheinbare Exzessivität und ihren Kleidungs- und Haarstil. Weiter recherchiert und auf Rehab gestoßen. Immer weiter hinein in das Phänomen Winehouse gestolpert. Irgendwann einmal das Album Back to Black besorgt und das vollkommene Album als großartige CD angesehen. Ich war wieder einer Frau verfallen. Zutiefst und innig. Frank setzte dem allen noch die Krone auf.

Nach und nach wurden auch die anderen Menschen auf diesem Erdball auf sie aufmerksam. Plötzlich fragten mich meine Freunde, ob ich sie schon kenne. Mit einem stolzen Lächeln konnte ich schon die Alben vorweisen. Plötzlich sah man sie bei den MTV Award Shows, sie räumte einen Preis nach dem anderen ab. Und schließlich kann sie sich Amy Winehouse, fünffache Grammy-Gewinnerin nennen. Hört sich doch alles nach einer großartigen Karriere an.

Ähm. Vielleicht zu kometenhaft, das Ganze. Manchmal kollidiert man mit anderen Himmelskörpern und kommt ins Wanken. Ihre scheinbare Exzessivität offenbarte sich als wahr. Auf Bühnen beschimpfte sie ihr Fans und spuckte sie an. Der Alkohol, die Drogen … alles sprach von der weiblichen Pete Doherty. Und ich dachte nur. Sowas gibts nicht. Zwei so großartige Musiker, zweimal die selbe Karriere. Die Boulevard-Presse wurde auf sie aufmerksam, im Fernsehen konnte man jeden Schritt von ihr mitverfolgen. Sie wurde verurteilt, jeder fühlte sich im Stande eine Bewertung abzugeben. (//Vergleiche: Britney Spears – Der nächste Medienmord?) Ich fragte mich nur, warum das immer wieder passieren muss. Menschen, mit einem so großen Talent und eine so aussichtsreichen Zukunft flüchten sich aus der Realität, hinein in irgendeine Welt aus Drogen und Alkohol. Ich hatte Mitleid.

Das Video der Crack rauchenden Amy ging ebenso um die Welt und erlaubte es ihr fast nicht, zu den Grammy-Awards nach Amerika zu reisen. Schließlich hätte sie sogar einreisen dürfen, doch sie blieb lieber in London. Befand sie sich doch in Rehab. Jetzt sieht sie wieder um einiges besser aus. Und vielleicht weckt sie ihr Erfolg und die Anerkennung durch die Grammies auf. Vielleicht bleibt sie bis zum Schluss in der Entzugsklinik. Vielleicht schafft sie es ja. Ich wünsche es ihr. Ihre Stimme ist einfach so großartig, ihr Auftreten so genial. Ich glaube an sie, sie hat das Zeug, die Kraft, von den Drogen wegzukommen. So weit lehne ich mich mal aus dem Fenster.

Und die Medien? Die sollen ihre Eskapaden so schnell fallen lassen, wie sie auch erst auf sie aufmerksam wurden, als sie nicht nur mehr sang. Zerstört doch bitte nicht dadurch noch mehr. Und was hilft es schon, beim nächsten Kaffeekränzchen vom aktuellen Drogentrip zu erzählen. Ich red‘ lieber über die Musik.

Falco

Es läuft mir kalt über den Rücken. Wenn ich daran denke, wie seine Person zurzeit ausgeschlachtet wird. Wenn ich daran denke, wie makaber sein letztes offizielles Lied Out of the dark nun ist. Und wenn ich daran denke, dass wohl niemand mehr nachkommen wird, der ihm in irgendeiner Art und Weise das Wasser reichen könnte.

Heute, genau vor zehn Jahren, am 6. Februar 1998, um ungefähr 16 Uhr 40 wird sein Auto von einem viel zu schnell fahrenden Bus zermalmt. In der Sekunde des Aufpralls hat der Falke seine Flügel ausgespannt. Die Todesnachricht war tagelang in den Nachrichten zu hören bzw. zu lesen. Falco alias Hanz Hölzel ist tot.

Um ein Fan erster Stunde zu sein, bin ich leider viel zu jung. Doch von klein auf kann ich mich daran erinnern, wie toll doch diese Lieder wie Rock me Amadeus, Der Komissar, Mutter, der Mann mit dem Koks ist da oder Nie mehr Schule sind. Die Person dahinter habe ich nur aus verschiedenen Fernsehbrocken gekannt. Erst mit Out of the dark und meinem angemessenen Alter wurde seine Musik ein Teil meines Lebens. Der Satz „Muss ich den sterben, um zu leben.“ beeindruckte mich. Dass er nur wenige Wochen danach für Hans Hölzel Wirklichkeit werden musste, ist der traurige Abschluss eines unglaublichen Lebens.

Heutzutage wird er als das angesehen, was er war und auch immer noch ist. Der größte Popstar den Österreich jemals hatte. Doch die Medien unterstützen ihn nicht immer so uneingeschränkt. Sein Skandallied Jeanny, eines der großartigsten deutschsprachigen Lieder, wurde von Ö3 nicht auf Rotation gesetzt und Musik-TV-Kanäle verzichteten auf das Senden des Videos. Er wusste schon immer, wie man die Menschen überraschen, erschrecken und in den Grundmauern dieser Scham- und Tabugesellschaft erschüttern konnte. Er provozierte und wusste ganz genau, dass er mit seinem Kunstobjekt, mit der Person, die er erschaffen hat, mit Falco polarisierte.

Viele Menschen, die sich heute als Freunde oder Wegbegleiter ausgeben, haben ihn meist nur flüchtig gekannt. Auch ich glaubte, nach dem Tod und dem Recherchieren über sein Leben, seine Erfolge und seinen Leidensweg, ihn gekannt zu haben. Doch es steckt viel mehr hinter diesem Menschen. Falco ist mehr, als jemals jemand ergründen kann. Und die Person Hans Hölzel umfasst noch viel mehr Facetten. Doch gerade auf die Person hinter dem Exzessiven, dem Verrückten, gerade auf diese Person scheinen viele zu vergessen.

Mein erstes Album von ihm kaufte ich mir nach seinem Tod, im Jahre 1998, im zarten Alter von zehn Jahren. Mit Verdammt wir leben noch erschien damals eine CD mit Liedern, die er kurz vor seinem Tod aufgenommen hatte, und Liedern, die in den Archiven der Musikproduzenten schlummerten. Ob Europa (die für mich großartigste „Europahymne“) oder Que pasa hombre. Man spürte sein Talent und seine Möglichkeiten, seine Passion. Das anschließend gekaufte Best Of Album eröffnete mir Evergreens wie Jeanny und dessen zweiter Teil Coming Home, Emotional oder Egoist. Danach folgte noch ein Live-Album. Von da an begleitete mich seine Musik auf so vielen Wegen.

Jetzt sind es 10 Jahre. Zehn Jahre ohne Hans Hölzel, ohne Falco. Und doch lebt er erst seit dem Tod in den Medien weiter. Durch den Spielfilm Falco – Verdammt wir leben noch sollen die Verkäufe für die neue Live-DVD, die neue CD noch einmal so richtig gepusht werden. Dass die Qualität des Films nicht an Filme wie Walk the line oder Ray rankommen wird, ist wohl Fakt. Aber eigentlich wäre es doch ein sicher sehenswerter Film für mich geworden. Dass der Falco-Schauspieler Manuel Rubey, Sänger der Band Mondscheiner, sich nun für all die Werbekampagnen (unter anderem für den Media Markt) hergibt (hergeben muss), finde ich aber sehr makaber. Diese Person, dieses Kunstobjekt Falco, zehn Jahre nach seinem Tod so ausschlachten zu müssen, zeigt, was Falco schlussendlich für Österreich ist. Aushängeschild und Werbeobjekt.

Lasst ihn Ruhen, ich bitte euch. Und ehrt ihn angemessen. Er hat es sich verdient.