5 :: Music Is My Girlfriend // Und Wenn Ein Lied

 

Ein Rückblick mit Musik. Rückblickend auf ein Leben durch Musik.

Seit sechs oder sieben Jahren ist mein Media Player stets gefüllt mit Musik. Vorher dachte ich immer, das Nonplusultra hat die Forschung mit einem mehr oder minder funktionierenden CD-Player geschaffen. Dass ich hier plötzlich stets Zugriff auf jeden Song, der sich auf meiner Festplatte angesammelt habe, das überraschte sogar mich. Einem Menschen, der vor allem in diesem Alter viel zu wenig über Innovationen staunen konnte.

Als wohl größtes Lied meines Lebens sehe ich “Wonderwall” an. Ein Evergreen. Ein schon fast kitschiges Lied, wenn man beachtet, dass es eigentlich fast jeder Mensch auf der gesamten ersten Welt auswendig kann, und nicht minder als 148 Millionen Menschen aus auf der Gitarre spielen können. Und zumindest einer auf einer Ukulele.

Es war das Lied, dass mich seit der fünften Klasse verfolgt hat. Durch MTV darauf aufmerksam gemacht, schon vorher aus dem Kommerz-Radiosender gekannt, und mich, ja, sagen wir es ruhig, sofort verliebt. Den Text rausgesucht, ausgedruckt und immer und immer wieder angehört. Bis ich eben diesen Text mein “Eigen” nennen konnte. Ich konnte also Wonderwall singen. Und ich und meine beste Freundin zogen damals durch die Schule. Immer mit Wonderwall in unseren Ohren und auf unseren Lippen. Wir stellten uns vor kleine Unterstufler und trällerten unseren Lieblingssong. Die einzige Reaktion, und gerade diese recht überraschend, war, dass sie das Lied cool fänden und wir wirklich nicht schlecht sängen. Deswegen haben wir es natürlich nicht getan. Das Lied hat uns etwas bedeutet. Das Lied war für uns geschrieben.

Immer und überall gaben wir es zum Besten. Auch unsere Freunde, meine neuen Freunde damals, da ich immer mehr in ihren Freundschaftskreis hineinkam, und langsam auch aus meiner wirklich eineinhalb Jahre andauernden Selbstmitleidsphase herauskrabbeln konnte. Auch sie wurden von uns angesteckt. Den Höhepunkt des Wonderwall-Gesangs fand irgendwann einmal, vor zwei Jahren ca., oder war es auch letztes Jahr, statt, als wir zu sechst oder siebt am Steg lagen. Wir hatten noch Schule, doch unser Lebensraum war schon lange der See. Und dort legten wir uns, ohne sich irgendwie abgesprochen zu haben, wie Sonnenstrahlen auf. Die Köpfe in der Mitte, die Blicke zum Himmel. Und ich begann plötzlich dieses eine Lied zu singen. Und alle stimmten ein. So wie es jetzt im Nachhinein scheint, vielleicht einer der schönsten Momente meines (bisherigen) Lebens.

Aber meine beste Freundin hatten noch andere Songs. Nach einem zwei Monate andauernden Streit mit einer verqueren Situation der Gefühle wurde “Don’t Speak” von No Doubt zum Inbegriff unserer Freundschaft. “Tage Wie Dieser”  von Juli ließen meine erste Verliebtheit im April 2005 immer und immer wieder aufflackern. “Das Beste”, schon lange bevor es zu einem “Superhit” wurde war eine Freundschaftsbekundung, in der auch gezeigt wurde, dass zu diesem Zeitpunkt, dem Sommer von vor drei Jahren nicht unbedingt alles platonisch war.

Und irgendwann begann ich musikalisch meine eigenen Wege zu gehen. Begann mich ausgiebig mit Britpop zu befassen. Hörte mehr und mehr Lieder von Oasis. Wurde mit The Verve vertraut. Verliebte mich in “The Drugs Don’t Work”, für mich eines der besten Lieder ever. Hörte Nirvana. Alice In Chains. Soundgarden. In meiner rebellischen Phase war es “Smells Like Teen Spirit”, dass meine Gefühle ausdrückte. Oder einfach mein Versuch des Gegen-den-Strom-Schwimmens. Dann meine erste CD von Ryan Adams. “Goodnight, Hollywood Blvd.” oder “Sylvia Plath”. Eine Sendung OC California und schon war Rufus Wainwright mit “Hallelujah” in mein Gehirn eingebrandt.

Die Musik verfolgt mich jetzt nun schon seit vielen Jahren. Sie inspiriert mich zu Texten, lässt mich ein Buch schreiben, lässt mich sanft einschlafen (dazu eignet sich vor allem eine CD zweier französischer DJs, die mit Jazz-House eine meiner besten Alben gemacht haben), lässt mich die Liebe intensiver spüren. Lässt mich weinen. Lässt mich lachen. Veranlasst mich dazu, eine Beziehung zu enden. Durch den Widerspruch, welchen eine Liedzeile mit meinem Denkorgan verursacht habe. Lässt mich schreien. Lässt mich die ganze Wut aus meinem Bauch schreien. Lässt mich angemessen trauern. Um verlorene Menschen. Lässt mich in vergangene Zeiten zurückblicken. Die Musik lässt mich leben. Hält mich am Leben. Verursacht den Wunsch nach Leben. Immer und immer wieder. Wenn ich mal meinen Mp3-Player zuhause vergessen habe, dann singe ich. Die Musik lässt mich nicht los. Sie schenkt mir Kraft. Musik ist verzaubert. Musik ist verzaubernd.

// Text wurde geschrieben, bevor die Festplatte formatiert wurde.

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